Globalisierung des Großkapitals
Positiv:
- Produktivität erreicht nie gekannte Ausmaße
- Nur durch Konzentration solch riesiger Kapitalmengen können solche Produktionskapazitäten geschaffen werden, die modernste Technologie ermöglichen
- Dadurch entstehen Kapazitäten, die sich nur durch weltweiten Absatz rechnen
- Ergebnis ist, dass Autos, Computer, Mobiltelefone etc. breiten Bevölkerungsschichten in aller Welt zugänglich gemacht werden und damit deren Lebensstandard auf ein Niveau gehoben wird,
welches früher nicht einmal den größten Herrschern vorbehalten war
Negativ:
- Das weltweite Finanzkapital gewinnt zunehmend politischen Einfluss und diktiert nationalen Regierungen deren Handlungsspielraum
- Dadurch wird eine Politik begünstigt, die dafür sorgt, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden
- Durchsetzung dieser Kapitalinteressen bedeutet auch, dass vor Krieg als Mittel nicht halt gemacht wird und dass Umwelt- und Hungerkatastropen billigend in Kauf genommen werden,
wenn nur der ökonomische Nutzen dies rechtfertigt
Wie überwinden wir diese Probleme?
Abschaffung des Kapitalismus?
Es ist kein überzeugendes Konzept in Sicht, was den an und für sich gut funktionierenden Kapitalismus ersetzen könnte.
Die Ursache für das Scheitern der sozialistischen Staatsformen wurde von den Kapitalismusgegnern auch nicht hinreichend geklärt.
Offenbar liegt sie darin, dass die Führungsschicht sozialistischer Staaten (gemäß Leninscher Klassendefinition) aus der Arbeiterklasse ausgeschert ist.
Sie erwirbt ihren Anteil am gesellschaftlichen Reichtum eben nicht mehr durch Arbeit.
Damit mutierte sie zu einer neuen Feudalklasse, Sozialismus war also die letzte Form des Feudalismus, welcher gegen den Kapitalismus historisch keine Chance mehr hat.
Also bleibt nur eins: Weiterentwicklung des Kapitalismus
Hier kann bereits an große Erfolge angeknüpft werden.
Der Frühkapitalismus, gekennzeichnet von hemmungsloser Ausbeutung der Arbeiter, die 70 Stunden in der Woche für einen Hungerlohn schuften mussten
und dabei kaum das 30-igste Lebensjahr erreichten, konnte bei uns überwunden werden.
Dass heute eine 40-Stunden Arbeitswoche üblich ist für einen Lohn, der neben gehobener Nahrung, Wohnung und Kleidung auch noch Urlaubsreisen in alle Welt ermöglicht,
ist ein unermesslicher Fortschritt.
Dieser Fortschritt beruht neben technologischem Fortschritt vor allem auf dem Kampf der Arbeiterbewegung.
Auch wenn die ursprüngliche Idee, eine kommunistische Weltordnung, nicht erreicht wurde, so ist das Ergebnis dieses Kampfes doch mehr als beachtlich.
Was aber hat diesen immensen Fortschritt ermöglicht, der den Arbeitern so viel Gutes beschert hat, ohne den Kapitalisten wirklich zu schaden?
Es ist Einflussnahme breiter Bevölkerungsteile auf eine Seite der kapitalistischen Wirtschaft, die Produktion.
Während der einzelne Arbeiter hilflos ist, kann deren Zusammenschluss (Gewerkschaften) eine große Macht ausüben:
Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still,
wenn dein starker Arm es will!
(Ferdinand Freiligrath 1863)
Der Kapitalist kann nämlich sein Ziel, den Profit, nicht erwirtschaften, wenn die komplette Belegschaft streikt.
Also ist diese Organisation der Arbeiter der Schlüssel gewesen zu einer menschlicheren Form des Kapitalismus.
Damit haben wir also die Hälfte zur Beherrschung des Kapitalismus gelernt.
Es war sicher die schwierigere Hälfte, denn immer war Engagement für die Gewerkschaft auch mit höherem Risiko der betreffenden Arbeiter verbunden, selbst keine Arbeit mehr zu bekommen.
Die zweite Hälfte zur Beherrschung des Kapitalismus haben wir noch nicht gelernt.
Erst Ansatzweise proben wir deren Mechanismen.
Es ist der Absatz, die Produkte müssen ihre Käufer finden.
Der Kapitalist kann allein durch Produktion keinen Profit erwirtschaften.
Er muss deren Produkte erst verkaufen (Karl Marx nannte das "Salto Mortale der Ware").
Und genau hierin liegt das Potential des zweiten Weges der Einflussnahme, gerade auch bei den wirklich großen internationalen Konzernen,
deren Unternehmenspolitik durch die Medien bekannt wird.
Wir können über unser Konsumverhalten die Politik dieser großen Konzerne überaus wirksam beeinflussen,
wir haben es bloß noch nicht gelernt!
König Kunde, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Kauf-Boykott - dein Zepter zeigen:
Welt-Konzerne sich dir neigen!
(Michael Stade 2003)
Erstens gilt es festzuhalten, dass das Welt-Finanzkapital keineswegs ein monolithischer Block ist.
Die Interessen der Ölindustrie sind nicht die Interessen der Tourismusindustrie,
diese sind nicht die Interessen der Halbleiterindustrie und diese nicht die Interessen der Automobilindustrie usw..
Aber natürlich ist das Großkapital beweglich, Fahrzeughersteller werden zu Chipherstellern, Chemieriesen entdecken die Gentechnik usw..
Jeder Konzern hat eine eigene Politik, welche er versucht, durchzusetzen.
Bisher war unser Konsumverhalten vom Produkt bestimmt, dessen Preis-Leistungsverhältnis.
Kaum jemand verschwendet einen Gedanken darauf, welcher Konzern nun hinter dem Produkt steht, obwohl dies bekannt ist und obwohl auch die Konzernpolitik kein Geheimnis ist.
So stellt beispielsweise niemand in Frage, dass einflussreiche Kreise aus der Ölindustrie ein großes Gewicht auf die Politik der USA haben.
Hier liegen doch die Gründe für die Ablehnung des Kyoto-Protokolls und die Entscheidung, in welchen Ländern militärisches Engagement besonders zu befürworten ist.
Wie wir gesehen haben, ist der Wille der Bevölkerung der ganzen Welt diesen Kreisen ziemlich egal.
Das Wörtchen "irrelevant" drückt diesen Einfluss treffend aus.
Nun verkauft etwa der EXXON-Konzern, der sich hier besonderer Erwähnung verdient gemacht hat, weltweit seine Produkte.
Was glauben Sie, was passiert, wenn die Mehrheit der Bevölkerung diese Produkte plötzlich meiden würde?
Es kann doch niemand gezwungen werden, bei E$$O zu tanken! Es gibt doch genug Konkurrenz!
Stellen Sie sich vor, E$$O müsste nur 5 Cent im Durchschnitt mit dem Preis vor der Konkurrenz heruntergehen, um ihren Umsatz zu sichern.
Diese würden den Profit empfindlich schmälern, wenn nicht gar unmöglich machen.
Auf längere Sicht würden sich die Tankstellen nach einem anderen Konzern umsehen, mühsam errungene Marktanteile würden für immer verloren gehen!
Glauben Sie ja, sobald eine solche Entwicklung nur in wenigen Ländern einsetzen würde, es würden in der Konzernleitung alle Alarmglocken schellen!
Stellen Sie sich vor, der EXXON-Konzern würde die US-Administration auf Knien bitten, doch das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen, damit endlich dieses,
den Konzern so bedrohende Image in der internationalen Öffentlichkeit verschwindet!
Glauben Sie, die Senatoren, die ja schließlich so großzügige Unterstützung von diesem Konzern erhalten haben, könnten sich solchen Bitten entziehen?
Das Einzige, was dazu notwendig ist, ist die Entwicklung des Bewusstseins der breiten Bevölkerung, solch ein Machtmittel zu besitzen.
Es ist einfach falsch, wenn landläufig behauptet wird, "Gegen die Großen können wir so wie so nichts machen!".
Wir können, ein jeder kann, und es ist Zeit, damit anzufangen!
Das ist die angemessene Antwort auf die so übermächtig erscheinenden Probleme der Globalisierung.
Übrigens sind die Anfänge schon gemacht und die Umweltorganisation Greenpeace spielt dabei eine Vorreiterrolle.
Der Nestle-Konzern hatte vor, Produkte mit genmanipuliertem Mais in Europa in Verkehr zu bringen, den Anfang sollte ein Riegel mit dem Namen "Butterfinger" machen.
Daraufhin haben im Gefolge eines Aufrufes von Greenpeace europaweit viele Schreiben an Handelsketten
gerichtet mit der Aufforderung, sich explizit zu verpflichten,
keine solchen Gen-Produkte anzubieten.
http://www.transgen.de/?link=/Aktuell/chronik.html
http://archiv.greenpeace.de/GP_DOK_3P/PRESSEMI/P990730C.HTM
So kamen Listen von Handelsketten zustande, die diese Selbstverpflichtung abgaben und andere mit Handelsketten, die diese Verpflichtung noch nicht abgegeben haben.
http://www.greenpeace-muenchen.de/THEMEN/GEN/ThemenGenBufi.htm
Je mehr Ketten sich verpflichteten, um so größer wurde der Druck für die anderen, auch nachzuziehen und alsbald nahm der Nestle-Konzern Abstand von seinem Vorhaben!
http://archiv.greenpeace.de/GP_DOK_3P/PRESSEMI/P990716.HTM
http://www.greenpeace-magazin.de/archiv/hefte99/4_99/famila.html
http://www.greenpeace.ch/press/1998/297.html
http://gruppen.greenpeace.de/rhein-neckar/gen/real.htm
http://www.geocities.com/eatnoshit/nestleg.html
http://www.info3.de/archiv/news/aktuell799f.html
Also schon die glaubhafte Drohung, eine bestimmte Unternehmenspolitik mit Kauf-Boykott zu strafen, kann eine Änderung dieser Unternehmenspolitik bewirken.
Es wird nichts bringen, etwa in führenden Konzern-Managern die Bösewichte für politisches Unrecht zu suchen.
Diese Personen. so reich und mächtig sie auch sein mögen, haben auch nur einen eingeschränkten Handlungsspielraum.
Wenn die Profite zurück gehen oder sogar Verluste eintreten, wird man sie von Seiten des Aufsichtsrates dafür verantwortlich machen und im Zweifel durch fähigere Kräfte auswechseln.
Man muss es diesen Managern also nicht unbedingt übel nehmen, wenn sie die Interessen der Bevölkerung ignorieren, solange die Bevölkerung diese Unternehmenspolitik
mit ihrem Kaufverhalten belohnt.
Sobald die Bevölkerung mit ihrem Kaufverhalten beginnt, auch die Unternehmenspolitik zu bewerten, werden diese Manager nicht mehr nur für ihre Produkte werben,
sondern auch für ihre Politik (teilweise fangen sie schon damit an!).
Sie werden sich gegenseitig in ihrem Eifer übertreffen, eine Unternehmenspolitik zu machen, welche die Zustimmung der Mehrheit der Käufer findet!
Und vielleicht brauchen wir dazu weniger als die 100 Jahre, welche wir für den ersten Teil der Lektion (die Gewerkschaftsbewegung) gebraucht haben!
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